Später Sommertag
- Blog von Anja
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September. Dem Kalender nach regiert immer noch der Sommer. Doch ist es nicht zu übersehen, die Tage sind kürzer geworden, die Morgensonne scheint später durch unser Fenster, ihre Leuchtkraft verblasst bereits am späten Nachmittag, und ihr Abschied vollzieht sich plötzlich in einem feinen, schleierhaften Dunst, fast wehmütig.
Die Vorboten des Herbstes sind da. Sie kamen über Nacht, leise, kaum vernehmbar. Zwischen den noch lichten und oftmals drückenden Tagen liegt die Stille der längst verstummten Vögel. Die azurne Bläue des hohen Sommers ist einem fahlen Blaugrau gewichen, und durch die schwellende Natur geht der Wind gemessenen Schrittes, zieht die ersten rotbraunen und gelben Blätter von Baum und Strauch mit sich.
In den Gärten blühen Astern und Georginen. Ihre farbenschillernde Schönheit öffnet sich der späten Sonne, die nicht mehr brennt, nur noch wärmt, wohltut, dem reifenden Obst und den Trauben an den Hängen die letzte Süße gibt.
Alles hat seine Zeit.
Wer möchte nicht noch die wenigen, sonnigen Tage genießen? Alles, was Beine hat, ist draußen, unterwegs, unter licht verschleiertem, mattleuchtenden Himmel. Der Tag fängt alle Vielfalt des Lebens ein, sammelt die bunten Bilder der noch sommerlich gekleideten Menschen, ihrer frohen Gesichter, der jauchzenden Kinder und ordnet sie zum Ganzen, einem glänzenden Mosaik. Er freut sich seiner eigenen Schönheit, ergötzt sich an der Lebensfreude aller Wesen, an dem noch unbelasteten Glück des Jungseins.
Seinen Abglanz aber, sein Spiegelbild, findet er in den Augen der Älteren. Gemessenen Schrittes gehen auch sie, nehmen die wärmende Sonne wie ein Geschenk an, empfinden die Pracht später Blumen glück- und gleichnishaft. Ihre Herzen weiten sich im Dank, die Fülle des Lebens, die Schönheit des späten Sommertages bewusst genießen zu dürfen, sie wissen, bald wird es Herbst.
Geheim vollzieht sich der Wandel, im lautlosen Übergang.










